Stadtverwaltung und Universitätsleitung sind sich weitgehend einig: Die Uni müsse für die kommenden Jahrzehnte Perspektiven und Flexibilität für weiteres Wachstum haben. Daher soll der Bebauungsplan aus dem Jahr 1969 geändert werden. Bei der ersten Bürgerinformation regte sich Protest unter den Studierenden. Zunächst müsse mehr Wohnraum da sein, ehe an eine Erweiterung der Universität gedacht werde, hieß es mehrfach.
Infos rund um die Uni-Bauvorhaben
6. April 2011Campus-Uni: Die Universität Konstanz ist als Campus-Uni angelegt, also ohne weit verstreute Ableger in der Stadt. Die kompakte Anlage sollte in die Landschaft eingebunden werden, im Naturraum zwischen Stadt, Insel Mainau und den Bodanrück-Wäldern.Der Hockgraben musste von Gebäuden freigehalten werden.
Flächenbedarf: Das Baufenster der Universität im bisherigen Bebauungsplan ist bis auf Restflächen ausgeschöpft. Bis 2060 besteht ein Bedarf von 55 000 Quadratmetern Nutzfläche für Forschungs- und Lehrgebäude. Das entspricht einer Brutto-Geschossfläche von 120 000 Quadratmeter. Im ersten Abschnitt bis 2018 sind 20 000 Quadratmeter geplant. Der Technische und Umweltausschuss befasst sich daher am Donnerstag, 7. April, mit der Änderung des Bebauungsplanes. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im Rathaus Laube.
Naturschutz: Das Gelände ist von vielen geschützten Bereichen umgeben. Herausragend sind das Landschaftsschutzgebiet Bodenseeufer, das FFH-Gebiet Bodanrück (Natura 2000) und der Schonwald. Viele seltene Vogelarten, wie Pirol, Schwarzmilan und Waldkauz, sind in den Wäldern heimisch. Die zwei Käferarten Eremit und Hirschkäfer wurden in unmittelbarer Nähe nachgewiesen.
Bauflächen: Die Stadtverwaltung sieht Nachverdichtungen prinzipiell als oberste Priorität an. Außerdem will sie die Parkflächen Nord und Süd als Baufenster ausweisen, sie könnten überbaut werden. Der Bereich um das Heizkraftwerk liegt außerhalb der Schutzgebiete und ist als weitere Lösung denkbar. Aus Sicht der Universität sei sie aber nicht geeignet.
Verkehr: Es soll eine Universität der kurzen Wege sein. Die Stadt setzt auf die Fuß- und Radwege-Verbindungen sowie den Nahverkehr. So wird es ab diesem Jahr eine zusätzliche Buslinie vom Zähringerplatz zum Gießberg geben. Die Erschließung über die bisherigen Straßen ist Teil des Mobilitätskonzeptes. Es wird zudem eine Erweiterung des Parkplatzes bei Egg (Mainaustraße) geprüft.
Verwirrspiel um Uni-Bau
25. März 2011
Der neue Uni-Bau soll am streng geschützten Schonwald entstehen
Darf die Universität, was andere nicht dürfen? Diese Frage steht im Raum, seit die CDU-Fraktion im Gemeinderat eine mögliche Zufahrt zur Uni von der Mainaustraße aus ins Spiel gebracht hat.
Der Ausbau des Felsenwegs biete die Chance, Wollmatingen vom Verkehr zu entlasten. Die Naturschutzbehörden und die Stadtverwaltung lehnen den Vorschlag aus Umweltschutzgründen ab, so wegen des Schonwalds in diesem Bereich. Die Universität selbst baut aber gerade ein neues Zentrum für Chemische Biologie (CCB) – ausgerechnet am Schonwald.
In der aktuellen Debatte fallen deutliche Worte. Alexander Gebauer, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS), etwa spricht von „Gutsherrenart“, wenn er die Bautätigkeiten früherer Jahrzehnte betrachtet. Damals seien die Naturschutzbelange und das Bodenseeleitbild von der Universität zu wenig beachtet worden. Manfred Heier berichtete über die Bautätigkeiten auf dem Gießberg im S’Blättle, dem BAS-Magazin, im September 2009. Er beklagte, ein Drittel des CCB-Baus überschreite das Baufenster und reiche in das Landschaftsschutzgebiet. Angesichts dieser Aussage zeigten sich Alexander Gebauer und CDU-Stadtrat Matthias Heider empört. Sie fragten sich, warum die Uni im Schonwald bauen, der Felsenweg aber nicht angerührt werden darf. Angesichts des riesigen Prunkbaus sei das fragwürdig, zumal er dem See zugewandt stehe, so Heider.
Großer Widerstand gegen weitere Zufahrt zur Uni
12. März 2011
Neue Wege zur Uni
In der Debatte um das Verkehrskonzept für Wollmatingen hat die CDU-Fraktion im Gemeinderat einen überraschenden Vorstoß gewagt. Sie schlägt vor, den Felsenweg, der von der Mainaustraße zur Universität führt (siehe Grafik), auszubauen. Er wurde als Erschließungsweg beim Bau von Uni-Gebäuden angelegt. Werde er nun ausgebaut, könne die neue Zufahrt den Verkehr, der aus Richtung Litzelstetten kommt, auffangen. Damit wäre die Wollmatinger Ortsdurchfahrt von etwas Verkehr befreit, argumentiert die CDU. Alexander Gebauer, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS), befürwortet einen Ausbau ebenfalls, um den Ortsteil Allmannsdorf zu entlasten.
Die CDU hatte gehofft, nach einem Besuch von Uni-Rektor Professor Ulrich Rüdiger in einer Fraktionssitzung einen Mitstreiter zu finden. Der Rektor habe sich zumindest aufgeschlossen gezeigt und angedeutet, die Universität wolle den Vorschlag prüfen, berichtet Stadtrat Matthias Heider. Ulrich Rüdiger sieht den Vorstoß aber kritisch: „Ich halte den Vorschlag in keiner Weise für geeignet. Ein Ausbau des ehemaligen Erschließungsweges von der Mainaustraße aus würde durch die für den Neubau des Center for Chemical Biology (CCB) vorgesehene Fläche führen.“ Er spricht zudem von einem „Hintereingang“ zur Uni.
Verfasst von Thomas von Urisberg 

