Preiswerte Wohnungen bleiben rar

Wohnraum für Familien

Gabriele Vollmer fand mit ihrer Familie in Wollmatingen Wohnraum.

Wer nach Konstanz zieht oder innerhalb der Stadt eine größere Wohnung sucht, wird schnell zum Realisten: Mieten und Kaufpreise sind hoch. Vor allem junge Familien haben unter der Entwicklung zu leiden, weil sie oft nicht über zwei volle Einkommen verfügen und hohe laufende Ausgaben haben. Dennoch ist die Suche nicht aussichtslos, sagen Ralph Buser, Vorstandsmitglied im Spar- und Bauverein, sowie Bruno Ruess, Geschäftsführer der Städtischen Wobak.

Bei beiden Gesellschaften ist die Warteliste lang. Vor allem beim genossenschaftlich organisierten Spar- und Bauverein gehen die ältesten Anwartschaften vor. Doch Vorstandsmitglied Ralph Buser verweist darauf, dass zunehmend auswärtige Genossenschaften in Konstanz bauen. Auch der Eigentumswohnbau werde den Markt entspannen, weil ein Teil der Käufer die Wohnungen auch wieder vermieten werde. Möglichkeiten ergäben sich vor allem rechts des Rheins, so Buser: „Wer für unter 1000 Euro monatlich eine Vierzimmerwohnung im Paradies sucht, hat keine Chance. Aber in Wollmatingen kann man durchaus fündig werden“, so Busers Einschätzung.

Bruno Ruess, Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobak, ist nicht ganz so optimistisch. Gerade für weniger reiche junge Familien sei es nach wie vor schwer in Konstanz. Verantwortlich dafür macht er unter anderem das Land Baden-Württemberg, das seine Wohnbauförderung komplett auf den Eigentumswohnbau lenke. Die Wobak habe zahlreiche Grundstücke und fertige Pläne, doch zum Bauen fehle derzeit schlicht das Geld. In einem Brief an Landespolitiker weist Ruess auf einen „eklatanten Mangel an bezahlbarem Wohnraum für breite Schichten der Gesellschaft“ hin. Dies sieht auch SPD-Stadtrat Herbert Weber so, der zugleich den Vorsitz im Bodensee-Mieterverein innehat. Er beklagt, dass hier vorzugsweise Menschen gefördert würden, die ohnehin auf der Sonnenseite stünden.

Mehr als 1000 Wohnungen habe die Wobak seit 1994 gebaut, so Ruess: „Aber noch immer haben wir 2800 Wohnungssuchende, und bis zu 250 von ihnen sind Härtefälle.“ Das Problem dabei: die geringe Fluktuation. Nur etwa 150 Wobak-Wohnungen werden jedes Jahr frei, doch allein im Jahr 2006 wuchs die Kartei der Interessenten um 756 Fälle an. Die Tendenz dabei ist steigend, weil es in Konstanz immer mehr Ein-Personen-Haushalte gibt – vor allem Studierende und alte Menschen. Dennoch meint Ruess wie Buser, „dass die schlimmsten Jahre vorbei sind“, so groß wie in der Nachkriegszeit und nochmals in den 90er- Jahren sei die Not derzeit nicht.

Private Vermieter könnten den Markt weiter entlasten – gerade für junge Familien. Wenn sie nicht wegen der hohen Bodenpreise auch auf hohe Mieten angewiesen wären. „Zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter brauchen die für einen Neubau einfach“, so Ruess‘ Einschätzung. Da liege es dann nahe, eine gut geschnittene Familienwohnung lieber an drei oder vier Studenten zu vermieten.

Durch eine aktive Bodenpolitik versucht auch die Stadt Konstanz auf den Markt Einfluss zu nehmen. Nach dem so genannten Grunderwerbsmodell wird ein größeres Baugebiet erst dann in Angriff genommen, wenn 60 Prozent der Fläche in öffentlicher Hand sind. Dies kann die Bautätigkeit zwar verzögern, soll aber moderate Bodenpreise und damit Mieten sicherstellen.

Quelle: SÜDKURIER, 28.02.2007, Bild: Hanser

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