Grüne Oase: Drumlin Fürstenberg

Drumlin FürstenbergWährend viele Agenda-Gruppen darüber klagen, wie ihre schönen Konzepte und Ziele in den Mühlsteinen der Kommunalpolitik zerrieben wurden, ist das Projekt am Fürstenberg zu einem guten Abschluss gekommen. Der Sprecher der Agenda-Gruppe Fürstenberg Mike Herrmann ist zufrieden: „Das Naherholungsgebiet wurde aufgewertet und dabei sind die Naturschutzaspekte beachtet worden.“ Viele Menschen gehen auf dem Drumlin spazieren oder treffen sich mit Freunden zum Grillen. „Hier können Kinder auch noch Heuschrecken fangen, Blumen pflücken oder Löcher buddeln – wo können sie das sonst noch?“ Obwohl viele Biologen in der Agenda-Gruppe aktiv sind und ein gewisses Konfliktpotenzial vorhanden war, sei die Naherholungs-Funktion nie in Frage gestellt worden. „Das ist ein Platz mitten in der Stadt, den kann man nicht wie ein Naturschutzgebiet abschirmen.“

Es ist eine kleine Oase zwischen den Häuserschluchten: Tiere, Pflanzen und Menschen harmonieren am Fürstenberg gut. Die wertvollen Wiesen liegen abseits der Wege, hier können sich die Arten ungestört entwickeln. Die Gruppe hat die Flächen entbuscht, um den Spezialisten im Tier- und Pflanzenreich neuen Raum zu geben. Der ursprünglich bewaldete Hügel ging nämlich wieder diesem Zustand entgegen, da er kaum genutzt wurde. Besorgte Bürger brachten ihr Anliegen in die Zukunftswerkstatt ein, und so entstand das auf drei Jahre angelegte Agenda-Projekt. Es wurde in enger Abstimmung mit der Stadt und den Behörden durchgeführt. Das Plenum, ein Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt, förderte es finanziell.

Das Buch genügt zwar wissenschaftlichen Ansprüchen, aber es ist in vielen Passagen für Laien interessant. In einem geschichtlichen Beitrag erfährt der Leser, dass auf dem Fürstenberg einst eine beliebte Sommer-Wirtschaft beheimatet war. Der Natur kam es zugute, dass der Hügel nicht intensiv bewirtschaftet und kein Kunstdünger ausgestreut wurde: Er ist heute ein Refugium für viele Tiere und Pflanzen. „Die Fülle an regional seltenen Arten, die in der Kulturlandschaft verschwunden sind, ist schon überraschend“, sagte Herrmann. In mehreren Beiträgen werden die Bestände und ihre Besonderheiten geschildert, wie Heuschrecken, Schmetterlinge, Schnecken, Wildbienen und Wanzen. Es sind Raritäten zu finden, so regional selten gewordene Schmetterlinge, wie der Himmelblaue Bläuling, oder die vom Aussterben bedrohte Wanzenart Loricula bipunctata, die am Fürstenberg gefunden und damit erstmals in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde. Eindrucksvoll ist die Dokumentation der Wildbienen und Wespen: Es fliegen nicht weniger als 222 Arten auf dem Hügel.

Wie wichtig die Arbeit der Biologen für die Nachwelt ist, zeigt der Abschnitt über die Flora des Hügels. Denn darin werden die Funde aufgeführt, die Ludwig Leiner im 19.Jahrhundert dort gesammelt hat. Sie sind heute im Leiner-Herbarium des Bodensee-Naturmuseums zu finden. Aus ihnen lässt sich ableiten, wie der Fürstenberg früher bewachsen und damit genutzt war.

Die Agenda-Gruppe hat die meisten Arbeiten abgeschlossen, doch sie hat weiterhin ein Auge auf den Hügel. Mike Herrmann: „Wir achten darauf, dass alles gut läuft.“ Die Technischen Betriebe der Stadt (TBK) und ein privater Landschaftspfleger kümmern sich um die Mahd der Flächen.

Das Buch „Der Fürstenberg in Konstanz“ in der Reihe „Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i.Br.“ gibt es in den Buchhandlungen Zur Schwarzen Geiß und Osiander. Es kostet elf Euro.

Drumlin Fürstenberg

Kleine Hügel aus der Würm-Eiszeit, die durch Gletscherbewegungen entstanden sind, heißen Drumlin. In Konstanz sind neben dem Fürstenberg noch einige zu sehen, so der Löwern in Wollmatingen. Der Fürstenberg oberhalb der Chérisy war früher bewaldet, vor rund 175 Jahren wurden die Flächen aber gerodet. Er wurde dann als Bierkeller und für eine Gartenwirtschaft genutzt, wie im Buch „Der Fürstenberg in Konstanz“ zu lesen ist. Ab 1860 wurde das Areal landwirtschaftlich genutzt. Seit 1934 befindet es sich im Besitz der Stadt. Versuche, den Hügel zu bebauen, sind immer wieder gescheitert, so blieb die grüne Oase erhalten. Der Fürstenberg ist 437 Meter hoch, etwa 450 Meter lang und hat 3,4 Hektar Fläche.

Quelle: SÜDKURIER, 28.12.2008

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