Kindergärten: Eltern und Träger gewinnen Zeit

In ein hoch emotionales Thema ist ein Stück Sachlichkeit zurückgekehrt: Gestern hat der Jugendhilfeausschuss einstimmig eine Empfehlung für den Gemeinderat beschlossen, die allen Beteiligten einen Schritt entgegen kommt: Kinder, deren Eltern zwar nicht in Konstanz wohnen, die aber hier arbeiten oder studieren, können ein weiteres Jahr ohne Zuschusskürzung in Konstanzer Kindergärten bleiben. Der Ausschuss empfiehlt, dass sich der Personalkostenzuschuss für die „auswärtigen“ Kinder erst am 1.September 2009 um 300 Euro pro Platz und Monat reduziert statt wie bislang geplant ein Jahr früher. Diesem Kompromiss muss der Gemeinderat noch zustimmen.

Betroffen sind zurzeit 29 auswärtige Kinder. Ihre Eltern sind Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz oder dem Landkreis. Der Kompromiss gilt aber nicht für alle 29 Kinder, sondern auf Vorschlag der Verwaltung nur für diejenigen, deren Eltern in Konstanz arbeiten oder studieren. Dies sind 20von 29 Kindern. SPD und FGL waren mit der Abstimmung nicht zufrieden. Sonja Hotz (SPD) sagte: „Der Kompromiss reicht uns nicht, sondern alle 29 Kinder sollen bis zur Schulzeit bleiben können.“ Die beiden Parteien hatten dies als Antrag eingereicht. Heike Hollatz vom Gesamtelternbeirat Kinderbildungseinrichtungen (GEBK) dagegen zeigte sich erleichtert: „Ich kann damit leben, weil die Verwaltung sich bewegt hat. Dass sie die Weichen für eine Lösung stellt, finde ich großartig.“ Für die Kinder, deren Eltern nicht in Konstanz arbeiten, müsse dennoch mit den Trägern eine Lösung gefunden werden.

Die Debatte betrifft nur Kinder, die unter die so genannte Altfallregelung fallen: Sie haben vor dem 1. September 2007 bereits einen Konstanzer Kindergartenplatz erhalten und sind zum Stichtag am 1.März 2008 dort immer noch untergebracht. Hintergrund der Diskussion war, dass die Zahl der nicht Konstanzer Kinder in hiesigen Kindergärten zugenommen hat und nicht mehr alle einheimischen Kinder mit Plätzen versorgt werden können. Laut Alfred Kaufmann vom Sozial- und Jugendamt bekommen 79 Konstanzer Kinder in Petershausen und 60 in Wollmatingen für das kommende Jahr keinen Platz im Wunschkindergarten. Der Gesamtelternbeirat kämpfte dennoch vehement gegen die bisherige Regelung. Die GEBK-Vertreter hatten Angst, dass die auswärtigen Kinder aus ihrer sozialen Umgebung gerissen werden und manche ein Jahr vor der Einschulung den Kindergarten verlassen müssen. Denn der Träger entscheidet, ob er die auswärtigen Kinder kündigt, die 300 Euro selbst übernimmt oder den Anteil an die Eltern weitergibt. Viele Eltern schilderten ihre besondere Situation, wiesen auf kranke Kinder oder die unterschiedliche Ferienregelung in der Schweiz hin. Einige gaben an, ihren Arbeitsplatz aufgeben zu müssen, wenn ihr Kind nicht im Konstanzer Kindergarten bleiben kann.

Quelle: SÜDKURIER, 07.05.2007

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