Gratis-Entwurfe für Gelände des FC Wollmatingen

Bis die Bagger auffahren, dürfte es noch dauern. Doch wenn es so weit ist in Wollmatingen, werden nicht nur kleine Jungs gebannt auf die Baustelle schauen. Auch 24 junge Leute, die 2009 den ersten Abschnitt ihrer Architekten-Ausbildung abgeschlossen haben, werden kommen und sich umsehen. Denn sie haben für ihren Bachelor-Abschluss an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) das Gelände des FC-Fußballplatzes am Wollgrasweg überplant.

Dass einer der zum Teil sehr pfiffigen und bis weit ins Detail durchgeplanten Entwürfe jemals gebaut wird, ist unwahrscheinlich. Noch ist ja nicht einmal klar, ob die rund 90 auf 110 Meter große Fläche überhaupt für Wohnzwecke hergenommen wird. Denn die Sportler bräuchten dann einen anderen Platz. Kein Wunder also, dass auch Baubürgermeister Kurt Werner nur wenig Hoffnungen machen kann, dass rund 50 der in Konstanz so dringend benötigten Familienwohnungen entstehen.

An mangelndem Ideenreichtum des Architekten-Nachwuchses jedenfalls liegt es nicht. Da ist etwa Sonja Moser, die mit einer konsequenten Trennung von Autos und spielenden Kindern punkten kann. Wie alle Studenten hatte sie die Aufgabe, rund 45 Wohneinheiten und ein Gemeinschaftshaus zu planen und für alle Schritte vom Städtebau bis hin zu den Wohnungsgrundrissen eine Lösung vorzuschlagen. Moser steht vor ihrem Modell und beweist, dass sie gründlich gearbeitet hat. Sogar konkrete Vorstellungen für einen Spielplatz bringt sie vor.

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Auch andere Studenten machen vor, wie eine hoch verdichtete Bebauung möglich ist, ohne deshalb Hasenställe errichten zu müssen. Oskar Sonej hat sogar 52 Wohneinheiten auf dem vergleichsweise kleinen Areal untergebracht und dennoch jede Wohnung mit eigenem Grün oder stattlicher Dachterrasse versehen. Felix Maas macht vor, wie man die Autos aus dem Blickfeld bekommt, ohne gleich eine teure Tiefgarage errichten zu müssen. Stefan Bucher hat an eine der ganz großen Veränderungen der zukünftigen Gesellschaft gedacht und in den großen Wohnungen Bereiche vorgesehen, wo Familien ihre alten und vielleicht betreuungsbedürftigen Eltern zu sich nehmen können.

Bei so viel Umsicht und Ideenreichtum staunt nicht nur Baubürgermeister Kurt Werner, sondern auch der betreuende Architekturprofessor Stephan Romero. Und beide erhalten viel Zustimmung von den Studenten: Das Üben an einer wirklichkeitsnahen Aufgabe hat ihnen sichtlich Spaß gemacht und war ein schöner Abschluss des Bachelor-Studiums.

Und wie geht es weiter? Bürgermeister Werner verweist auf den Politik- und Planungsprozess. Und dann kommen die richtigen Architekten. Ihnen wolle man keine Arbeit wegnehmen, sagt der Bürgermeister. Vielleicht könnten sich die Büros ja Anregungen aus den Studi-Entwürfen holen, fügt Werner noch an. Ob es wirklich sein muss, dass die jungen Familien für etwas bezahlen müssen, was schon in mehreren Ausführungen mit Note eins vorliegt? Die Frage bleibt ungeklärt. Denn die Antwort lautete wohl: Die Arbeiten der Studis sind einfach zu billig.
Quelle: SÜDKURIER, 31.03.2009

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