Aydo – Der Barbier von Konstanz

Aydo

Aydo, sein Papagei Laura und Manfred Sobisch von der SG Dettingen-Dingelsdorf

Aydo entgeht nichts“, sagt Manuel Duran, während sein Nackenhaar leicht getrimmt wird, „hier sind immer Fußballer. Was Aydo nicht weiß, das weiß niemand.“ Der Fußball-Abteilungsleiter der DJK Konstanz muss selbst schmunzeln während dieser Worte. Und doch haben sie einen gewissen Wahrheitsgehalt. Aydo Kir ist der Besitzer des gleichnamigen Friseur-Salons in der Radolfzeller Straße in Konstanz-Wollmatingen. Seit 1992. „Es kann schon passieren, dass hier von einem feststehenden Trainerwechsel geredet wird, bevor es der Trainer selbst weiß“, sagt Karl-Heinz Arnold, Bezirkspressewart, „du triffst hier Vertreter aller Vereine.“

Es gibt wohl nur wenige Funktionäre rund um Konstanz, die ihre Haare nicht irgendwann einmal hier haben schneiden lassen. Oder nicht zumindest einen türkischen Kaffee getrunken haben, oder einen Cay, jenen berühmten türkischen Tee, der in einem kleinen Glas serviert wird. Der Salon dient nämlich gleichzeitig als eine kleine türkische Teestube nach dem Vorbild der Kahvehane, den Dorf- und Stadtviertelcafés der Türkei. Für einen Teil der türkischen Einwanderergesellschaft gelten die Lokalitäten als wichtiger sozialer Treffpunkt. „Hier bei Aydo trifft man sich und redet miteinander“, erzählt Ali Kocer und schlürft genüsslich an seinem Tee, „das ist reine türkische Mentalität.“ Ali ist so etwas wie der Mann für alle Fälle beim Türkischen SV, den er selbst zusammen mit einigen Landsleuten 1980 gegründet hat. „Meine Güte“, erinnert sich Andy Böhm, Ex-Trainer von Rielasingen, Dettingen-Dingelsdorf und Radolfzell und seit gestern offiziell der neue Mann beim FC Wollmatingen, „was sind hier schon für Gerüchte verbreitet worden.“ Ihm selbst wurde einmal von einem Bekannten berichtet, „dass ich seit zehn Jahren Trainer beim Türkischen SV bin. Das zumindest wurde damals bei Aydo erzählt.“ Natürlich war er (noch) nie Trainer bei dem Verein.

Aydo

Nach vollbrachtem Arbeitstag lässt sich Aydo selbst den Bart von seinem Angestellten Kurtbey Burunsuz rasieren

Die stets vor sich hin brodelnde Gerüchteküche ist nur eine der vielen Facetten des Friseursalons Aydo. Natürlich sind die Kunden in der Regel zufrieden, wenn sie auf ihrem Drehstuhl sitzend im Spiegel die Kopfarbeit der schneidenden Belegschaft begutachten dürfen. Dann schaut nur noch das Haupt heraus, der Rest des Körpers ist mit einer dieser typischen Schürzen bedeckt. „Sehr schön. Gefällt mir. Vielen Dank“, heißt es dann meistens.

Doch zumindest die deutliche Mehrheit der männlichen Kundschaft geht nicht des Haareschneidens wegen zu Aydo. „Der Salon ist eine kleine Spielerzentrale“, erklärt Pit Armbruster, während er die original türkische Rasur durch Aydos Angestellten Kurtbey Burunsuz sichtlich genießt, „man redet über Spieler und es passiert auch, dass man sich hier über einen Wechsel einig wird.“ Tiziano Di Stefano, der auf dem Stuhl neben Armbruster sitzt, nickt zustimmend: „Als ich 2008 als Trainer zu Wollmatingen II gegangen bin, habe ich acht Spieler vom Türkischen SV mitgenommen und die Sache hier mit Aydo klargemacht.“

Aydo ist nicht nur Friseurmeister, Kummerkasten und Nachrichtenzentrale. Er ist auch der Vorsitzende des Türkischen SV Konstanz. „Ich kenne den Burschen von klein auf“, erzählt Günther Kraus, in den 70er Jahren Amateurligaspieler der DJK Konstanz, und wirkt in diesem Moment wie einer dieser netten Onkels, die man nur gern haben kann. „Wir sind alles echte Fußball-Freunde, egal welcher Nationalität.“ Manfred Sobisch erklärt, was Kraus damit meint: „Aydo leistet großartige Integrationsarbeit“, sagt er und wischt sich juckende Haarstoppeln aus dem Nacken, „früher hatten wir alle, Deutsche und Türken, Bretter vorm Kopf. Heute haben wir begriffen, dass wir integrieren müssen. Und deswegen gehe ich zu Aydo.“ Er schaut den Friseur seines Vertrauens an und schiebt lachend ein paar Worte hinterher: „Obwohl Aydo ja ein fürchterlicher Haarschneider ist, pausenlos blödsinnige Sachen erzählt und ständig drei Euro ins Phrasenschwein einzahlen müsste…“ Dafür gibt’s ein paar liebevolle Klapse auf den Hinterkopf.Für Serdar Kokal vom FC Singen ist Aydo eine Institution: „Er ist für uns junge Spieler wie ein großer Bruder“, erzählt er, „hoffentlich wird Aydo nicht ausgenutzt, denn er ist sehr gutmütig. Manchmal zu lieb.“ Benjamin Chebbani aus Meersburg vom SV Bermatingen und David D’Incau vom FC Villingen lieben das Ambiente bei Aydo. „Du fühlst dich bei ihm gleich zu Hause“, sagt Chebbani. D’Incau ergänzt: „Und die neuesten Infos über den Fußball bekommst du nur bei ihm.“

Am Abend schließt Aydo als Letzter den Laden zu. Er blättert ein wenig im SÜDKURIER. „Ich muss ja auf dem Laufenden sein“, sagt er und grinst. „Wobei ich es immer als Erster weiß.“

Quelle: SÜDKURIER, 7. Mai 2009

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One Response to Aydo – Der Barbier von Konstanz

  1. KIRADuth sagt:

    To determine internal swelling is difficult enough, therefore, consequently, they influence the body for a long time, which threatens the normal fetus. Fluids are dangerous because they break blood circulation. Such situation leads to the strengthening of negative tendencies feeding and the breath baby, created hypoxia.
    Fighting such a pathology should be done with the help of correction feeding and special procedures so that fluid does not stay tissues. If the woman is resting, then under the feet better put a cushion or pillow to improve the blood circulation of tired legs. Do not long time to sit or stand, as this leads to stagnation in the body. It is recommended that the knee-elbow position several times a day in order to increase blood flow.
    how to reduce swelling during pregnancy

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