In Wollmatingen geht es fast nur um Verkehr

Den Einwohnern von Wollmatingen und Fürstenberg brennt vor allen ein Thema unter den Nägeln: Sie fordern, dass der Verkehr auf der Hauptachse durch ihre Stadtteile endlich geringer wird. Große Zuversicht auf eine baldige Lösung haben sie längst nicht mehr, wie zahlreiche Gespräche beim Ortstermin der SÜDKURIER-Redaktion zeigen.

Wer hier zuhören will, muss sich anstrengen. Nicht für eine Minute ebbt der Dauerlärm ab an der Radolfzeller Straße in Wollmatingen. Gegenüber dem alten Rathaus belegen die Gespräche mit älteren, jüngeren und ganz jungen Wollmatingern, dass die den Straßenkrach kaum mehr ertragen können.

Die Forderungen richten sie vor allem an die Stadt, doch mehrere Besucher des Ortstermins räumten ein, dass auch die Einwohner selbst etwas tun müssen – je nach Berechnung sind bis zu drei Viertel der Belastung auf die Bewohner der Stadtteile selbst zurückzuführen.Elfriede Schroff ist die Lärmbelästigung durch den starken Verkehr zu den Stoßzeiten morgens und abends ein Dorn im Auge. Doch die Wollmatingerin hat schon einen simplen Lösungsvorschlag parat, wie der Verkehrsfluss ihrer Meinung nach abgeschwächt werden kann. „Die Ampel an der Waldsiedlung ist falsch geschaltet. Wenn diese Ampel nur drei bis vier Autos in einer Grünphase durchlassen würde, anstatt wie jetzt 12 bis 14 Autos, wäre schon viel geholfen“, so Schroff. Den Erfolg dieser Ampelschaltung hat Schroff in Markelfingen beobachtet. Elfriede Schroff fordert klar: „Die Westtangente muss kommen!“

Georg Geiger, ein „Urwollmatinger“, bricht eine Lanze für den Stadtteil. Seine Heimat sei ein guter Ort für junge Familien, wie der Sportamtschef ausführt. „Ob Busanbindung, Schulen, Kindergärten oder Supermärkte – alles ist in der Nähe und gut erreichbar.“

Problematisch sieht Geiger die mangelnde Integrationsbereitschaft einiger zugezogener Familien. „Manche möchten die intakte dörfliche Struktur des Stadtteils einfach nicht anerkennen und sprechen sich beispielsweise gegen eine Westtangente aus, weil sie davon gar nicht betroffen sind.“ Geiger ist für den Bau der Westtangente, um Wollmatingen vom Verkehr zu entlasten. Die Kindlebildstraße, fordert er, müsse aber auf alle Fälle geöffnet bleiben.

Christel Riedle sieht das anders. Sie beklagt, dass das Radfahren auf der Kindlebildstraße mit ihrem unvollständigen Radweg sehr gefährlich sei. Natürlich sei es schwierig, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, doch wenn die Westtangente dann endlich gebaut sei, müsse man über die Kindlebildstraße auf jeden Fall neu nachdenken. Auch einige andere Gäste unter den blauen SÜDKURIER-Schirmen äußerten Verständnis für die auch von der Bürgerinitiative Eichbühl erhobene Forderung.

Günter Bohn wünscht sich, dass der Belag der Urisbergstraße „anständig gemacht“ wird. „Gerade ältere Leute haben Probleme mit ihrem Wägelchen.“ Was ihn ärgert, ist das fehlende Grün. „Im Zergleweg beim Sägewerk haben sie alles bebaut. Das war die einzige grüne Oase. Jetzt haben wir nichts mehr“, so Bohn. Sein großes Anliegen ist die Fahrbahnerneuerung der Radolfzeller Straße. Lastwagen rumpelten über die Buckelpiste, „dass es einen fast aus dem Bett jagt.“Hans Stadelhofer moniert den verwahrlosten und verdreckten Dorfbrunnen. Außerdem sei es ganz problemlos machbar, den Brunnen mit frischem Trinkwasser auszustatten. Ein große Zumutung sei der Verkehr in der Radolfzeller Straße. In den frühen Morgenstunden seien die leeren Kipper eine echte Plage.

Falk Beyer findet den „Gießtourismus am Friedhof“ unnötig. Sobald die warme Jahreszeit beginnt, fahren die meisten mit dem Auto zum Friedhof, um die anvertrauten Gräber zu gießen. Dies sei eine unnötige Verkehrsbelastung. Die Schweizer hätten ein einfaches System. Dort werde morgens ein Sprenger genommen und der ganze Friedhof gewässert.

Petra Geusch-Leuthe, als Anwohnerin über der Sparkasse direkt betroffen, ärgert sich ebenfalls über den starken Verkehr in Wollmatingen und die Warterei auf die Westtangente. Eine Minderheit blockiere die Mehrheit, in dem sie lange genug das Verwaltungsgericht beschäftige, und zwar so lange, bis wohl die bereits bereitgestellten Gelder nicht mehr verfügbar sind, befürchtet sie. Als Bürger habe man nicht das Gefühl, „dass sich etwas tut“. Insgesamt stellt sie in Bezug auf die Vorhaben fest: „Das Aussitzen macht mich wahnsinnig.“ Westtangente hin oder her – ein Konzept für die Radolfzeller Straße hätte die Stadt schon längst erarbeiten können, findet Geusch-Leuthe.Lukas Briechle macht zum Schluss ganz praktisch klar, wo der Schuh drückt. Der Viertklässler, zehn Jahre alt, versucht die Straße bei der Bushaltestelle zu überqueren. Fazit des Versuchs: Manchmal hält gleich das erste Auto, manchmal aber auch erst das vierte. So hat auch sein Wunsch mit dem Wollmatinger Dauerthema Verkehr zu tun: „Ein Zebrastreifen oder eine Ampel wären hier echt gut.“

Quelle: SÜDKURIER, 13. Mai 2009

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