Auf Stadelhofers Spuren

Gerd und Helga Morian leben zwar erst seit zweieinhalb Jahren in Konstanz, genauer gesagt in Wollmatingen, doch wissen die beiden Neubürger bereits mehr über die Geschichte jenes Stadtteils als mancher Konstanzer. „Ich habe es bedauert, dass es keine Chronik über Wollmatingen gibt“, sagt Gerd Morian. Rasch machte er sich kundig, recherchierte und dokumentiert nun Facetten der Wollmatinger Geschichte, und zwar anhand bekannter Persönlichkeiten. Nach seiner letztjährigen Broschüre über den Wollmatinger Bürgermeister und „Vorstadt-Revoluzzer“ Thomas Sättele folgt nun ein Porträt des Wollmatinger Künstlers Emil Stadelhofer. Das mehr als 40 Seiten umfassende, illustrierte Heft ist auf dem Wollmatinger Dorffest (4. bis 6. September) erhältlich.

Die Litzelstetter Straße ist der Ausgangspunkt für die Recherchen von Gerd Morian. Von seinem Zuhause aus stolpert er quasi über Anhaltspunkte, die sein Interesse wecken – in diesem Fall über den Löwenbrunnen. Gerd Morian will es genau wissen. „Wer hier lebt und durch die Stadt geht, nimmt vieles als selbstverständlich hin und denkt nicht weiter darüber nach“, weiß Oberbürgermeister Horst Frank. „Andere wiederum, wie Gerd Morian, schauen genau hin und geben Anstöße“, so Frank, der Gerd und Helga Morian herzlich für ihr Engagement für Konstanz dankt.

Doch zurück zum Löwenbrunnen und damit zu dem bekannten Wollmatinger Künstler Emil Stadelhofer, der von 1872 bis 1961 gelebt hat. Der Löwenbrunnen, von den Wollmatingern dereinst als Kriegerdenkmal in Auftrag gegeben, ist nicht das einzige noch erhaltene Zeugnis jenes Künstlers. Auf das Konto des Bildhauers gehen auch die Köpfe an der ehemaligen Hauptpost an der Marktstätte und der nackte „Sonnenjüngling“ im Rathaushof.

Bereits in jungen Jahren wurde Emil Stadelhofer überaus geschätzt. Als 25-Jähriger erhielt er von der Stadt Meersburg den Auftrag, eine Büste von Anette von Droste-Hülshoff zu fertigen. Skulpturen von ihm finden sich auch in Kirchen von Karlsruhe und Freiburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Stadelhofer 1946 von der französischen Besatzungsmacht in Überlingen als Denkmalkurator eingesetzt.

Über den Künstler Emil Stadelhofer gibt es noch viel Interessantes zu berichten. Wertvoll für Gerd Morians Recherchen waren nicht nur die schriftlichen Zeugnisse, die Emil Stadelhofer hinterließ, sondern auch die mittlerweile 94-jährige Elisabeth Bandel, die Gerd Morian mit dem ältesten Sohn des Künstlers, dem mittlerweile 97-jährigen Paul Stadelhofer bekannt machte. Gerd Morian hat in seinem Künstlerporträt zudem einen weiten Bogen gespannt und Facetten des Lebens in Wollmatingen um die Jahrhundertwende beschrieben.

Quelle: SÜDKURIER, 25.08.2009

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