Kahlschlag-Aktion: Hier weiden bald Ziegen

Zwei große Kahlschläge erhitzen die Gemüter. Zwischen Wollmatingen und Dettingen wurde ein ganzer Hang abgeholzt, die Reste liegen kreuz und quer. Waldarbeiter haben zudem ein Stück des Waldes bei der Insel Mainau leer geräumt. In beiden Fällen führen die Förster Gründe für die Arbeiten an.

Viele Autofahrer, die von Wollmatingen in Richtung Dettingen fahren, wundern sich kurz nach dem Kreisverkehr über das Chaos am Rand der Straße: Die Reste der abgeholzten Bäume liegen kreuz und quer. Der Anblick ist außerdem sehr ungewohnt, da der Wald an dieser Stelle dicht an die vielbefahrene Straße reichte.

Das Waldstück ist Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes Bettenberg. Die Flächen gehören dem Bund. Dietmar Götze von der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben kümmert sich um den Bettenberg. Es handle sich um eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Bundesstraße B 33, sagte er auf SÜDKURIER-Anfrage. Das verbliebene Holz werde noch komplett abgeräumt. „Aus der Fichtenmonokultur soll nun ein Magerrasen werden.“ Magerrasen ist der Fachbegriff für nährstoffarme Wiesen, auf denen sehr seltene Blumen blühen.

Der Konstanzer Landschaftsplaner Michael Eberhardt betreut mit seinem Büro die ganzen Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen der B-33-Planfeststellung. Etliche, wie die Grünbrücke oder Streuobstwiesen im Bereich Göldern, liegen direkt in der Nähe der Bundesstraße, andere aber weit entfernt. „Es gibt einige Ersatzmaßnahmen außerhalb der Trasse.“ Der Wald am Bettenberg sei in den 70er Jahren aufgeforstet worden, berichtete Michael Eberhardt. Zuvor habe es dort solche magere Wiesen gegeben, „sie waren sogar kartiert“. Schließlich liege die Fläche in exponierter Südlage, die für Magerrasen ideal ist. Und in diesen Zustand soll das Stück zurückversetzt werden.

„Im Moment sieht das natürlich wild aus“, sagte der Landschaftsplaner. Doch die Fläche werde abgeräumt und später mit Schafen und Ziegen beweidet, damit die Wiese nicht mehr verbuschen kann. Es werde künftig nur noch vereinzelt Bäume und kleine Strauchgruppen geben. Auf dem rund ein Hektar großen Stück könnten dann wieder seltene Pflanzen gedeihen. Michael Eberhardt erwartet unter anderem Enziane, Sonnenröschen oder Karthäusernelken. „Aber das müssen wir erst abwarten.“

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben untersucht derzeit, an welchen Stellen des früheren Militärgeländes gefährliche Munition in der Erde sein könnte. Es gebe derzeit noch keine Ergebnisse, sagte Dietmar Götze.

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