Weitere Granaten auf Militärgelände gefunden

Auf der Suche nach scharfer Munition

Teile des Bettenbergs bei Konstanz werden wieder für Freizeitaktivitäten freigegeben. Die Kernzone bleibt aber wegen gefährlicher Munition und Granaten im Boden weiter gesperrt.

Eigentlich ist der Job von Karin Böhm und Tobias Gegenfurtner an diesem Tag nicht sonderlich gefährlich, die Suche nach Kampfmitteln ist dennoch nicht ohne. „Mit Angst dürfen wir erst gar nicht anfangen, aber Respekt muss man immer haben“, sagt Karin Böhm in ihrem warmen bayerischen Dialekt. Die beiden Spezialisten in Sachen Kampfmittel durchkämmen mit einem kleinen Wagen das Gelände der Modellbauer am Bettenberg Meter für Meter. Als Mitarbeiter einer bayerischen Firma suchen sie nach scharfer Munition auf dem ehemaligen Militärgelände bei Wollmatingen.

Auf dem Wagen ist eine ferromagnetische, computergesteuerte Drei-Kanal-Sonde montiert. Sie zeichnet auf, wo Eisen in der Erde liegt. Was genau vergraben ist, können die beiden Mitarbeiter aber noch nicht erkennen. Norbert Högel von der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben: „Das kann auch eine Schraube der Modellbauer sein.“ Die 50 Störpunkte auf dem Gelände des Flug- und Schiffsmodellbau-Vereins werden daher am Computer genauer analysiert. Falls Munition vermutet wird, rückt die Firma erneut an, um die Kampfmittel zu bergen. Bis Mitte Mai soll das Gelände der Modellbauer freigeräumt sein.

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Unterdessen geben die Behörden nach eingehenden Untersuchungen 110 Hektar des ehemaligen Militärgeländes wieder frei, berichtete Bürgermeister Kurt Werner. Es bestehe nach einer Studie in weiten Teilen des Bettenbergs keine Gefahr, sagte Werner. In der Kernzone, die etwa 58 Hektar groß ist, stehen dagegen weitere Untersuchungen an. Sie bleibt gesperrt, vor allem auf fünf kleineren Flächen werden viele Munitionsreste vermutet. Es wurde am Bettenberg nicht nur mit scharfen Geschossen geübt, vermutlich wurde nach dem zweiten Weltkrieg auch Munition vergraben, berichtete Dietmar Götze von der Bundesanstalt. Für die Studie wurde in französischen und deutschen Militärarchiven geforscht. Zudem gab es etliche Hinweise aus der Konstanzer Bevölkerung.

Auf der Zufahrt zum Vereinsheim des Motorsportclubs Konstanz (MSC) wurde scharfe Munition gefunden, unter anderem eine Sprenggranate. Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt: „Das zeigt, dass wir mit der Sperrung des Geländes nicht überzogen reagiert haben.“ Die kritischen Bereiche werden nun untersucht und weitere Schritte überlegt. Es sei nicht möglich, den Bettenberg komplett umzugraben, sagte Dietmar Götze. „Wir wollen keine Mondlandschaft daraus machen.“ Es werde genau überlegt, welche Bereiche geräumt werden müssen. Das Wegenetz könne entsprechend angepasst werden.

Die Motocross-Strecke des MSC liegt im gefährlichen Bereich. Die Behörden wollen die Strecke nun auf ein Areal im benachbarten Fronried verlegen. Neben der Fläche steht der Schießstand, es seien daher noch Gespräche mit der Bundespolizei und der Schützengesellschaft nötig, berichtete Thomas Buser vom Landratsamt. Dem Verein biete sich nun aber eine gute Perspektive. Vereinsheim und Jugendstrecke können an der jetzigen Stelle bleiben.

Dank der guten Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt und den Vereinen sei das Verfahren bisher sehr zügig gelaufen, sagte Martin Wichmann. Im September wurde der Bettenberg gesperrt.

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