Neue Wege beim Thema Reihenhaus

Die Stadt Konstanz geht bei einem geplanten Reihenhaus-Projekt in Wollmatingen neue Wege. Interessenten sollen dort frühzeitig mitbestimmen. Zuerst eine Idee vom Wohnen, dann die Planung: Das ist der Ansatz.

In einem Modellprojekt will die Stadt viele Grundsätze der bisherigen Bauplanung in Frage stellen. Für die Reihenhäuser im Gebiet Zergle II in Wollmatingen will Roland Jerusalem, der Leiter der Stadtplanungsamts, den sonst üblichen Prozess gewissermaßen vom Kopf auf die Füße stellen. So sollen dort Bauherren zunächst über ihre gewünschten Wohnformen nachdenken können, bevor es an die konkrete Nutzung der Grundstücke geht. Dieses neue Vorgehen wird vom Land Baden-Württemberg als Modellprojekt gefördert. Gerade die in der Vermarktung oft schwierigen Reihenhäuser sollen so attraktiver gemacht werden.

Als Anregung hat die Stadtverwaltung den Interessenten schon einige Arbeit abgenommen. Gefördert mit Geld aus Stuttgart, wurden drei Architekturbüros beauftragt, ihre Vision einer modernen Reihenhauszeile auszuarbeiten. Herausgekommen sind zwei sehr unterschiedliche Entwürfe. Der eine ist eher konventionell, bietet aber einige Individualität bei den einzelnen Häusern. Der andere setzt auf das in Konstanz bisher wenig verfolgte Modell der Baugruppen. Dort tun sich Bauherren zusammen und stemmen die Aufgabe gemeinsam. So können Grundrisse entstehen, bei denen die einzelnen Häuser wie Puzzleteile ineinander verzahnt sind – je nach Flächenbedarf und individuellen Möglichkeiten.

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Dass Baugruppen, wie sie in Freiburg oder Tübingen bereits gang und gäbe sind, auch für Konstanz interessant sein könnten, davon ist Roland Jerusalem überzeugt. Für viele Familien lasse sich so der ansonsten vielleicht utopische Traum vom Eigenheim verwirklichen. Die Reihenhauszeile mit neun Einheiten könne dafür ein Start sein. Zumal die Parzelle dafür sogar besser genutzt wird als im Bebauungsplan vorgesehen. Dort ist von sieben Einheiten die Rede. Den Durchbruch brachte die Verlegung der Stellplätze in eine Tiefgarage. Wegen der besseren Ausnutzung des Grundstücks führe das nicht einmal zu Mehrkosten, sagt Jerusalem.

Auch in Stuttgart wird man das Resultat des Konstanzer Versuchs aufmerksam beobachten. Mit dem Konzept hat die Verwaltung bereits die Förderung im Pilotprojekt „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ errungen. Bei einem Erfolg ist eine Übertragung auf andere Städte im Land nicht ausgeschlossen. Und auch für künftige Planungen innerhalb von Konstanz werde man die Erfahrungen mit den geplanten Reihenhäusern im Zergle genau auswerten, kündigt Jerusalem an.

Ob das neue Projekt eine Chance auf Umsetzung hat, wird sich bald erweisen. Ende des Monats stellen die zwei siegreichen Architekturbüros ihre Konzepte vor. Bauwillige fordert Jerusalem auf, sich an der Debatte zu beteiligen.

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