In Wollmatingen wächst die Wut

6.000 Autos am Tag und noch immer kein Konzept gegen die Verkehrslawine: Im größten Konstanzer Stadtteil wächst die Wut gegen die Stadtverwaltung. Die Bürger fordern endlich ein Konzept zur Entlastung.

Der am stärksten vom Verkehr geplagte Stadtteil verliert die Geduld: In scharfen Worten forderten Bürger die Stadtverwaltung auf, nicht länger über ein Verkehrskonzept für Wollmatingen zu diskutieren, sondern endlich zu handeln. Dort, wo täglich 26.000 Fahrzeuge Lärm und Gestank erzeugen und ein Gebiet mit 17.500 Einwohnern durchschneiden, erwarten sie konkrete Schritte. Viel Hoffnung konnte ihnen Baubürgermeister Kurt Werner allerdings nicht machen. Die Jahre 2010 und 2011 werden nach seinen Worten allein für die Planung benötigt.

Unter Druck kommt die Stadtverwaltung allerdings noch von zwei anderen Seiten: der Landespolitik und der Uni. Der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Hoffmann nahm das Konstanzer Rathaus mit deutlichen Worten in die Pflicht. Nachdem das Land seinen Anteil bringe und die Westtangente für zwölf Millionen Euro bis Ende 2012 fertigstelle, stehe die Stadt nicht nur im Wort, sondern in einer Vertragspflicht, etwas gegen den erwarteten Restverkehr von 17.000 Autos am Tag zu tun.

Und auch Jens Apitz, als Kanzler oberster Verwaltungschef der Universität, forderte in ungewöhnlich deutlichen Worten eine neue politische Kultur. Es könne nicht angehen, dass er von den neuesten Ideen zur Lösung der Dauermisere aus der Zeitung erfahre. Er spielte damit auch auf die von OB Horst Frank ins Gespräch gebrachte Einbahnregelung an. Danach würde die Einfahrt nach Wollmatingen und damit eine der beiden Uni-Zufahrten in den Morgenstunden blockiert.

Hausgemachte Probleme In der Uni mit ihren 1.200 Parkplätzen und im Durchgangsverkehr sehen die Wollmatinger, das wurde an einem streckenweise emotionsgeladenen Abend in der „Linde“ deutlich, die größten Probleme. Ob allerdings der Umbau der Hauptdurchgangsstraße zur Sackgasse, wie von Stadtrat Klaus Frank vorgeschlagen, mehrheitsfähig wäre, erschien zumindest in der Runde vom Donnerstagabend zweifelhaft. Die Bürgergemeinschaft Fürstenberg-Wollmatingen (BGFW), die den Diskussionsabend organisiert hatte, wollte keine Stellung zu dieser Frage beziehen.

Vorsitzender Matthias Heider, auch CDUStadtrat und Stadtverbandsvorsitzender der Partei, räumte ebenfalls ein, ein Teil der Wollmatinger Verkehrsmisere sei hausgemacht. Eine auch nur probeweise Vollsperrung träfe auch viele Wollmatinger und Fürstenbergler.

Mit Interesse wurde dagegen die von Alexander Gebauer und anderen Zuhörern ins Gespräch gebrachte weitere Uni-Zufahrt aufgenommen. Gebauer, Vorsitzender der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad, erinnerte an die vergessene Baustraße, über die der gesamte Aushub beim Uni-Bau abgefahren wurde. Man könne dieses kurze Stück von etwa gegenüber dem Mainau- Parkplatz bis auf den Gießberg reaktivieren, so Gebauer. Kanzler Apitz sagte zu, man werde diese Alternative genau prüfen, sie dürfe aber die bauliche Entwicklung der Uni nicht behindern.

Baubürgermeister Werner widersprach nicht, obwohl die Straße von der Stadt bezahlt und gebaut werden müsste. Wann es für die Wollmatinger eine klare Perspektive gibt, bleibt offen. Kurt Werner sagte, dass sogar die genauen Verkehrszählungen mit Auswertung der tatsächlichen Verkehrsströme derzeit wegen der Haushaltssperre auf Eis liegen: „Wir können die Kennzeichenverfolgung derzeit nicht in Angriff nehmen.“ Damit bestätigte er den Eindruck, der vielfach geäußert wurde: dass es derzeit überhaupt nicht vorangeht. Weder auf der chronisch zugestauten Straße noch mit ihr.

Wie lange die Geduld der Betroffenen reicht, ist ungewiss. Ein Anwohner brachte schon mal eine 24-stündige Demonstration ins Spiel, „direkt auf der Radolfzeller Straße, an einem Wochentag und nicht in den Semesterferien.“

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