Schulessen drückt im Magen

Konstanz will den Gesamtelternelternbeirat (GEB) in die Pflicht für die Versorgung der drei Konstanzer Gymnasien mit Mittagessen nehmen. Bürgermeister Claus Boldt setzt die Anregung aus der Politik um und fragt in einem Brief bei den Elternvertretern an, ob sie bis Mitte September einen Mensa-Verein gründen können. Dieser solle dann ab Herbst 2011 die vom bisherigen Essenlieferanten Apetito erbrachten Leistungen übernehmen.

Diese sind in dem Brief, der am Wochenende beim GEB einging, detailliert aufgelistet. So soll der Verein unter anderem die Verantwortung für die Essensausgabe übernehmen, einen Kaffeeautomaten nach Gastro-Norm und Lagerräume bereitstellen sowie eine vegetarische und eine nichtvegetarische Variante des Mittagsmenüs mit Beilagensalat oder Dessert. Die GEB-Vorsitzende Nicola Voigt zeigt sich „sehr überrascht von der Anfrage“.

Im Vorfeld habe niemand Kontakt zum GEB aufgenommen, sagt Voigt. Die Elternvertreter seien auch nicht einbezogen worden in die Planungen für die Essensversorgung. „Wir fühlen uns ein bisschen alleingelassen.“

Der GEB wolle sich nun erst einmal grundsätzlich informieren, wie eine Beteiligung der Elternvertreter aussehen könnte. Nicola Voigt hat dazu derzeit keine Vorstellung. Dabei hat die GEB-Vorsitzende immerhin schon Erfahrung mit einem Mensaverein. Sie gehörte zu den Gründerinnen der Gruppierung, die das Essen für die Grundschule Wollmatingen organisiert. Die Mensen von drei Gymnasien zu übernehmen, aber habe eine ganz andere Dimension, gibt Voigt zu bedenken.

Für langwierige Orientierungs- und Beratungsgespräche ist aber möglicherweise keine Zeit mehr: Die Stadt ist unter Druck, die Essensversorgung auf neue Beine zu stellen. Der bisherige Lieferant, die Firma Apetito aus dem westfälischen Rheine, hatte das Angebot auf ein weiteres Probejahr abgelehnt.

Das Unternehmen reagierte damit auf Kritik von Schülern und Eltern am Geschmack des Essens und auf die politische Debatte über die Transportwege der tiefgekühlten Verpflegung. Apetito-Sprecherin Judith Raußen sagt dazu: „Wir möchten den Vertrag nicht verlängern.“ In Konstanz, so der Eindruck des Unternehmens, stießen die Apetito-Konzepte nur „auf geringe Akzeptanz“. Mit seiner Absage durchkreuzt Apetito nun die Pläne der Politik. Diese hatte auf eine verlängerte Probezeit und damit auch auf einen Zeitgewinn zur Neuorganisation der Essenslieferung über einen Verein gehofft.

Auch bei den Kindertagesstätten wurde die Ausschreibung der Essensversorgung jüngst zum politischen Zankapfel. Ziel der Politik war es, für die Kinder warme Frischkost aus der Region sicherzustellen. Der Preis fürs Essen in fünf Kinderhäusern soll steigen, von 3,76 auf vier Euro pro Portion.

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