Verwirrspiel um Uni-Bau

Der neue Uni-Bau soll am streng geschützten Schonwald entstehen

Darf die Universität, was andere nicht dürfen? Diese Frage steht im Raum, seit die CDU-Fraktion im Gemeinderat eine mögliche Zufahrt zur Uni von der Mainaustraße aus ins Spiel gebracht hat.

Der Ausbau des Felsenwegs biete die Chance, Wollmatingen vom Verkehr zu entlasten. Die Naturschutzbehörden und die Stadtverwaltung lehnen den Vorschlag aus Umweltschutzgründen ab, so wegen des Schonwalds in diesem Bereich. Die Universität selbst baut aber gerade ein neues Zentrum für Chemische Biologie (CCB) – ausgerechnet am Schonwald.

In der aktuellen Debatte fallen deutliche Worte. Alexander Gebauer, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS), etwa spricht von „Gutsherrenart“, wenn er die Bautätigkeiten früherer Jahrzehnte betrachtet. Damals seien die Naturschutzbelange und das Bodenseeleitbild von der Universität zu wenig beachtet worden. Manfred Heier berichtete über die Bautätigkeiten auf dem Gießberg im S’Blättle, dem BAS-Magazin, im September 2009. Er beklagte, ein Drittel des CCB-Baus überschreite das Baufenster und reiche in das Landschaftsschutzgebiet. Angesichts dieser Aussage zeigten sich Alexander Gebauer und CDU-Stadtrat Matthias Heider empört. Sie fragten sich, warum die Uni im Schonwald bauen, der Felsenweg aber nicht angerührt werden darf. Angesichts des riesigen Prunkbaus sei das fragwürdig, zumal er dem See zugewandt stehe, so Heider.

Die Universität habe für den Neubau eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung beim Landratsamt und beim Regierungspräsidium beantragen müssen, berichtet Bürgermeister Kurt Werner. „Eine Genehmigung hierfür war mit erheblichen naturschutzrechtlichen Auflagen (Wiederaufforstung, Sicherung neuer Totholzinseln, Rückbau von Baustraße und Rekultivierung) verbunden.“ Der Neubau liege im alten Baufenster und sei damit rechtens, ergänzt Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt.

Wie sich die Universität baulich weiter entwickeln kann, wird zurzeit geklärt. Der alte Bebauungsplan wird auf die Bedürfnisse angepasst. Auf dem Gießberg gibt es viele seltene Tier- und Pflanzen-Arten, darauf wird im neuen Bebauungsplan stark Rücksicht genommen, es werden nur bestimmte Bereiche bebaubar sein. Alexander Gebauer sieht die Debatte angesichts dieser Entwicklung etwas gelassener: „Wenn das erreicht wird, wäre unser Hauptziel erreicht.“ Dennoch bezeichnet er die bisherigen Verfahren als nicht transparent genug, das Chemie-Gebäude empfindet er als „provokant“.

Matthias Heider verweist weiter auf das Ziel der Entlastung für Wollmatingen und Allmannsdorf. Der Verkehr zur Universität spiele dabei eine Rolle. Zum Ausbau des Felsenwegs ist von den Behörden dennoch keine Zustimmung signalisiert worden. „Bei der Gründung der Uni hat die Erschließung von Süden und Westen her eine entscheidende Rolle gespielt“, sagt Martin Wichmann.

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