Bettenberg nach Munitionsfunden teilweise wieder begehbar

Ein beliebtes Freizeitgebiet der Stadt kann wieder in Teilen genutzt werden. Der Bettenberg, das ehemalige Militärgelände am Nordrand von Wollmatingen, war wegen Munitionsfunden gesperrt. Die Behörden geben nun einen längeren Spazierweg frei.

Das Kerngebiet darf dagegen nicht betreten werden. Die beteiligten Behörden sehen die jetzige Lösung als guten Kompromiss zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung. Die Stadt überlegt noch, eine Grillstelle anzulegen.

„Die Trampelpfade sind nicht frei, wir bitten darum, sich daran zu halten“, sagt Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt. Wer trotz Verbots im Gelände erwischt wird, muss mit Strafen rechnen: „Es wurden schon Bußgeld-Verfahren eingeleitet.“ Warnschilder weisen auf die gesperrten Flächen hin. Ein Sicherheitsdienst kontrolliert das Gelände. In der Regel seien die Spaziergänger vernünftig, berichtet Norbert Högel von der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Es ist zu ihrer eigenen Sicherheit. Erst jüngst sei wieder eine scharfe Granate gefunden worden. „Sie wurde wohl frei geschwemmt.“ Alleine auf dem komplett geräumten Spazierweg, der quer durch das Gelände führt, haben Spezialisten große Mengen an Munition gefunden: Zwei Kilogramm Infanterie-Munition und 23 Nebelwurfkörper. Dietmar Götze von der Bundesanstalt warnt daher vor Leichtsinn: „Die größten Gefahren gehen davon aus, wenn Kinder Munition zum Spielen nehmen.“

Wie viele Kampfmittel auf dem Gelände liegen, war anfangs nicht klar, sagte Dietmar Götze. Gefunden wurden zunächst Spreng- und Wurfgranaten. Es wurde teilweise scharf geschossen auf dem Truppenübungsplatz, so von den deutschen Streitkräften vor 1945 und danach von den Franzosen. Spezialisten aus Hannover haben in Archiven geforscht, unter anderem in Frankreich. So belegten sie, welche Kampfmittel überhaupt zum Einsatz kamen und in welchen Bereichen.

Unter anderem sei herausgekommen, dass eine ganze Division nach Kriegsende alles stehen und liegen ließ, um in die Schweiz zu kommen, erzählt Götze. Durch die Untersuchungen wurde selbst klar, in welche Richtung bei den Übungen geschossen wurde. Somit stehen die Flächen fest, auf denen am meisten Munition zu erwarten ist. Zudem waren Zeitzeugen aus Wollmatingen und Konstanz befragt worden.

Der Bettenberg soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. „Es sind sich alle einig“, berichtet Philipp Gärtner, Erster Landesbeamter am Landratsamt. Das Regierungspräsidium bereite das formale Verfahren vor. Die Natur wird ihre Ruhe haben, da ein Teil der Flächen gesperrt bleibt und in absehbarer Zeit auch nicht geräumt wird.

Die Munitionsfunde haben die Suche nach einer Trainingsstrecke für den Motorsportclub Konstanz beschleunigt. Er behält sein Vereinsgebäude und die Jugend-Strecke am Rand des Bettenbergs, das Trainingsgelände für die Aktiven wird aber an die Schießanlage im benachbarten Frohnried verlegt. Damit ist die Zukunft des Vereins gesichert. Martin Wichmann: „Das ist eine tragfähige Lösung.“ Der Flug- und Schiffsmodellbau-Verein kann seinen Platz wieder nutzen.

Der Truppenübungsplatz wurde 1997 aufgegeben. Nachdem scharfe Muni tion auf dem rund 170 Hektar großen Militärgelände gefunden wurde, sperrten die Behörden im Jahr 2009 das beliebte Naherholungsgebiet aus Sicherheitsgründen. In den vergangenen Monaten wurden einige Flächen von Spezialisten untersucht, sie entsorgten Munitionsfunde fachgerecht. Der große Bereich westlich der Landesstraße von Wollmatingen nach Dettingen war schon 2010 freigegeben worden.

Es sind nun insgesamt etwa 130 Hektar wieder frei zugänglich am Bettenberg. Bürgermeister Kurt Werner wertet das ganze Verfahren positiv: „Angesichts der Gefährdung war es richtig, das Gebiet zu sperren.“ Er begrüßt die Lösung für den MSC. Dietmar Götze spricht von einer sehr guten Zusammenarbeit mit Stadt, Landratsamt und Regierungspräsidium: „Wir betreuen im ganzen Land solche Gebiete. Es läuft nicht überall so einvernehmlich und sachlich.“

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