Grüne Brücke ins Paradies für Tiere und Pflanzen

Das graue Band zieht sich gnadenlos am See entlang. Die Bundesstraße durchschneidet die prächtige Bodenseelandschaft wie ein tiefer Graben.  Und da sollen Schmetterlinge ausgerechnet ein schmales grünes Band finden, um über die vierspurige B 33 zu flattern? Mancher Autofahrer, der den kompletten Ausbau der wichtigen Verkehrsverbindung zwischen der Schweiz und der Autobahn in Richtung Stuttgart kaum erwarten kann, wundert sich: Warum wird für die 50 Meter breite Grünbrücke ein Millionenbetrag ausgegeben wird, wo das Geld für den Ausbau der Reststrecke noch nicht bewilligt ist? Heinz Jenne, in der Neubauleitung Singen zuständig für das Jahrhundert-Projekt, beziffert die Kosten für die Brücke auf immerhin 2,6 Millionen Euro.

Das Geld ist gut investiert, sagt Michael Eberhardt, der zuständige Landschaftsplaner. Selbst zarte Schmetterlinge finden den Weg zur Grünbrücke. Er nennt als Beispiel den durch Natura 2000 streng geschützten Hellen Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling, der hier lebt. „Tiere wie der Bläuling orientieren sich an Gehölzkanten.“ Entsprechend geschickt müssen die Brücke und die Aufgänge bepflanzt werden. Zudem sei es wichtig, die Übergänge an der richtigen Stelle zu bauen. Der Planer zerstreut Zweifel am Sinn der Verbindung vom Wollmatinger Ried ins Hinterland. Über der B 31 zwischen Überlingen und Stockach wurde der Erfolg der Grünbrücken in einem Forschungsprojekt untersucht. Die Fachleute machten unter anderem nachts Infrarot-Aufnahmen oder suchten Spuren im Schnee. Das Ergebnis: Die Brücken werden rege angenommen, ob von Haselmäusen, Dachsen oder Laufkäfern. „Deswegen waren wir in der Lage zu sagen, eine Grünbrücke über der B 33 macht Sinn.“

Andreas Palmer, Sprecher der Bürgerinitiative Eichbühl, hat als Anwohner Zweifel, ob die Grünbrücke angesichts des dicht bebauten Gebiets ihre Funktion überhaupt erfüllen kann. Michael Eberhardt widerspricht vehement: Das Areal Göldern zwischen B 33 und Bahnlinie sei über 13 Hektar groß. Dieses kleine Paradies gehört Pflanzen und Tieren fast allein. Es wurden Teiche angelegt und Magerwiesen, die extrem selten geworden sind in der Landschaft. Eberhard Klein, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried, spricht von einem Rückzugsgebiet, vor allem, wenn das Ried vom Hochwasser überschwemmt ist: „Dann können viele Arten trockenen Fußes das Hinterland erreichen.“

Das Ziel heißt Vernetzung. Selbst die Bahnlinie ist für Tiere keine Barriere. Größere Säugetiere überwinden sie, andere Tiere fliegen über sie hinweg. Außerdem gibt es einen fünf Meter breiten Durchlass unter den Gleisen. Zum Feuchtgebiet Alau im Hinterland führt ein Grünstreifen mit der Bachaue des Giratsmoosbachs.

Die Grünbrücke ist auch der Bedeutung des Wollmatinger Rieds geschuldet. Das Schutzgebiet trägt seit Jahrzehnten das Europa-Diplom. Sein Zustand und die Vernetzung zum Hinterland werden vom Europarat regelmäßig streng geprüft. Er hatte gefordert, es besser mit dem Hinterland zu vernetzen. Michael Eberhardt: „Wenn man an einem Schutzgebiet entlang baut, muss man auch Geld in die Hand nehmen.“

Der natürliche Zustand des großen Feuchtareals zwischen Bodenseeufer und dem einstigen Dorfrand von Wollmatingen kann aber nicht komplett wieder hergestellt werden. In einem insgesamt dicht besiedelten Raum suchen die Planer Kompromisse. Eberhardt steht daher hinter den Plänen für die neue Bundesstraße, für die es eben Bedarf gebe: „Ich kann damit leben, irgendwo müssen die Leute ja auch arbeiten.“ Selbst der Verkehrsknoten an der Abfahrt von der B 33 zur Reichenau sei keineswegs ein Monstrum, wie es immer heiße. Die Straßenplaner seien mit Bedacht vorgegangen. Er rät davon ab, die Pläne noch abzuspecken, wie es einige Grünen-Politiker fordern. „Die Maßnahme ist planfestgestellt und mit allen Beteiligten abgestimmt.“

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